Stillen

Stillen

Das große Thema, das einer jeden Mutter frontal entgegenprallt. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber es scheint mit viel Druck von außen verbunden zu sein. Dabei sollte das Stillen doch als natürlich und schön, als Geschenk gesehen werden.
Da soll eine Mutter ihr Kind stillen, und zwar mit Hingabe und Selbstverständlichkeit und am Besten ziemlich genau 6 Monate lang voll und dann nur noch nebenbei, aber insgesamt bitte nicht länger als ein Jahr, und am liebsten auch nicht in der Öffentlichkeit. Ja, aber wozu diese Regeln? Und wo kommen die überhaupt her? In meinen Ohren klingt deren Inhalt, als hätte jemand darum gewürfelt.
Vielleicht liegt es einfach an der gesellschaftlichen Entwicklung, dass Stillen ein so schwieriges Thema geworden ist.
Das zu ergründen wäre zwar interessant, ist aber an dieser Stelle nicht mein Anliegen. Vielmehr möchte ich das Stillen als etwas Schönes und als großen Gewinn aller Beteiligten anpreisen.

Dank Emma konnte ich auf eine komplett komplikationslose und angenehme Stillerfahrung zurückblicken als ich mich aufmachte um eine stillende Zwillingsmutter zu werden.
Da unser Start ja sehr bescheiden war und ich mich 22 lange Tage mit der Milchpumpe abgeben musste, war ich umso entschlossener. (Meinen Kampf um jeden Tropfen kostbare Muttermilch, gibt es auf einer extra Seite – inklusive Fotodokumentation.) Am 22. Lebenstag meiner Kinder kehrte ich der verhassten Pumpe wildentschlossen den Rücken. Ich hatte schlicht die Nase voll. Es war der letzte Tag in der Kinderklinik und ich sollte mit ihnen die letzte Nacht gemeinsam dort verbringen. Für diesen Zweck wurde mir auch ein Bett zur Verfügung gestellt. Ich war es einfach leid. Das Geräusch der Vakuumpumpe war unerträglich geworden und ich wollte einfach nur noch mit meinen Kindern zusammen sein. Ich pumpte einfach nicht mehr. Am Nachmittag gab es noch eine letzte Flasche und dann legte ich sie einfach an. Sie schliefen mit mir im großen Bett. Am nächsten Tag waren wir gegen Mittag zu Hause.
Sofort war ich ins eigene Bett bzw. Nest geschlüpft und blieb, samt meiner Küken, darin verschwunden.
Ich hatte noch mein altes Theraline Stillkissen mit Dinkelfüllung. Aber das stellte sich als unpraktisch heraus, da die Füllung bei jeder Bewegung verwackelte, und somit auch die Kinder. Ziemlich schnell durchstöberte ich das Internet nach geeigneten Stillkissen und wurde fündig. Das Sleepy C zog bei uns ein.
Beide Kinder konnten sehr gut darauf Platz finden. Denn bei uns war es so, dass sie doch fast immer zeitgleich tranken und es auch aktuell noch tun.

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Die erste Zeit schliefen die beiden natürlich viel. Schlafen, trinken. Das war für mich ganz gut, da ich nebenbei noch unseren kompletten Haushalt in Kartons packen musste, da unser Umzug bevorstand. Das waren meine ersten vier Wochen zu Hause. Stillen, packen und schlafen.

Mit meinem Mann hatte sich schnell und relativ wortlos eine Aufteilung der Zuständigkeiten ergeben. Ich musste lernen abzugeben. So kümmerte er sich um unsere Große und um Einkäufe und Kochen. Ich war komplett den Babies zugeteilt.
Daraus ergab sich für mich eine Art Seifenblase, die es mir ermöglichte wirklich und ausschließlich auf die Bedürfnisse unserer Kleinen einzugehen.
Dass ich tagelang im Schneidersitz, das Stillkissen mit den Kindern darauf, im Bett saß, erscheint mir im Nachhinein sehr skurril. Aber so war es. Ich war rundum für die kleinen Milchtrinkerinnen da. Meine Mahlzeiten wurden mir von meinem Mann ans Bett gestellt. Ebenso alles andere, was ich brauchte.

Meine Grazien und ich entwickelten eine Reihe unterschiedlicher Stillpositionen. Mit zunehmendem Alter darf man auch mal die Standards wie Wiege- und Footballposition vernachlässigen.

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02. Juli 2014/ genau 9 Wochen alt
Es gab zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Probleme. Im Juli, meine Hebamme war just in ihren Sommerurlaub abgedüst, bekam ich einen Milchstau und Mastitis. Da an unserer Stillpraxis rein gar nichts auszusetzen war, vermute ich, dass es zum einen an der Hitze lag, zum anderen am Wachstumsschub, den meine Mädchen gerade durchmachten. In den vorausgehenden Tagen hatten sie nämlich ausgiebig geclustert und die Milchproduktion angeregt. Ich hatte zwar relativ rechtzeitig die Gefahr bemerkt, aber konnte mich nicht mehr entziehen. So lag ich tatsächlich drei volle Tage stramm im Bett. Nicht, dass ich sonst irgendwie unterwegs gewesen wäre, aber ich stand tatsächlich nur auf um die Toilette aufzusuchen und meiner Vertretungshebamme die Tür zu öffnen.
Einige Tage später, wieder am Sonntag, meldete sich dann die andere Brust. Gleiches Spiel. Nun hatte ich ja schon genauestens im Kopf, was zu tun war. Auch diese Entzündung war nach drei Tagen gänzlich überstanden.
Diese Tage waren dann auch schon das Schlimmste, was diese Stillzeit zu bieten hatte.

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Aber wir sind ja noch mittendrin! Aktuell sind unsere Mädchen 9,5 Monate alt und wir stillen noch voll. Innerhalb der letzten Woche haben sie jeweils zwei Zähnchen bekommen und es ist ahf einer Seite anstrengend als permanente Andock- und Tröstestation zu fungieren, aber auf der anderen Seite ist es.ein gutes Gefühl den Kindern dieser Fels sein zu können. Schneller als ich gucken kann, wird das alles vorüber sein und dann werde ich mich an der Erinnerung erfreuen und ihnen später davon berichten können.

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Es sollte viel mehr darauf hingewiesen werden, dass Stillen Kopfsache ist. Wie oft hört man Mütter sagen, sie hätten keine Milch gehabt. Dabei liegt es bei einem verschwindend geringen Prozentteil der Frauen wirklich an den körperlichen Voraussetzungen, die sie mitbringen.

Viel öfter ist es schlicht Stress, der die Milch zurück hält oder sich auf das Kind überträgt und es unruhig sein lässt.
Als Ursache für diesen Stress kann man ungefähr alle Dinge dieser Welt aufzählen. Es kann ein unbedachter Spruch der eigenen Mutter oder auch bloß der Fussgängerin im Wald sein, der man zufällig begegnet oder ein schlechtes Gewissen gegenüber einem anderen Geschwisterkind oder Uneinigkeit mit dem Partner oder fehlendes Vertrauen in den eigenen Körper und die eigenen Fähigkeiten oder schlicht und ergreifend Angst, z.B. vor der Herausforderung eine Mehrlingsmama zu sein… oder… oder… oder.
Stillen ist eine sensible Geschichte. Wenn es aber erstmal läuft und Mutter und Kind(er) den Stilldraht zueinander gefunden haben, dann kann es zu einer Insel werden.

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