Hängematte statt Bett

Ich fand Hängematten schon immer irgendwie aufregend. Vermutlich auch deswegen, weil ich so gut wie nie in einer saß oder lag. Als wir vor vier Jahren einen Kleingarten pachteten und ich per Zufall im Laden ein Hängemattengestell samt Hängematte im Angebot sichtete, schlug ich einfach zu. Es handelte sich leider um eine Stabhängematte, also mit einem Holzstab an jedem Ende. Da sieht dann zwar irgendwie nett aus, ist aber für den Liegekomfort nicht so der Knaller. Das Teil begleitete uns also in einem Sommer im Pachtgarten. Im Jahr darauf zogen wir um, in ein Heim mit eigenem Garten. Herrlich. Hier haben wir das Glück, dass ein Apfel- und ein Kirschbaum in nahezu perfekter Hängematten-Distanz zueinander stehen. Das Gestell kam hier dann nur noch ab und an mal zum Einsatz. Auch diesen Winter fristete es mal wieder in der Garage. Als vor ein paar Wochen dann die Sonne lockte und ich mich schon hängend im Garten ahnte, kam mir der Gedanke, mal eine echte Hängematte zu holen. Eine ohne Stab. Gesagt, getan. Doch dann meldete sich die Sonne vorerst wieder ab. Na toll. Da stand ich nun, mit Hängematte im Regen. Doch dann kam mir das Gestell wieder in den Sinn. Kurzerhand holte ich es in unser Wohnzimmer. Wir haben sowieso kein Sofa oder ähnlich sperrige Wohnmöbel. Unser Sofaersatz sind ein paar halbierte Schaumstoffmatrazten, mit denen wir nach Lust uns Laune Höhlen, Betten oder sonstiges bauen können. Das Trampolin stand auch noch hier. Ein paar Tage hielt ich es aus, doch dann wurde es mir zu viel und das Hüpfgerät musste weichen.

Wir hatten gerade eine knappe lustige Woche in der Hängematte verlebt, als unsere große E den Wunsch äußerte ihr Bett auszusortieren, um künftig in einer Hängematte zu nächtigen. „Klar, machen wir!“ war meine Antwort. Wieso denn auch nicht!? Mein Mann guckte etwas skeptisch, entgegnete aber auch nichts. Am Folgetag bauten wir dann das Bett ab. „Sollen wir es erstmal hier stehenlassen oder soll es direkt weg?“ wollte ich wissen. „WEG!“ lautete die präzise Antwort. Also brachten wir es direkt in die Garage. Sie war offensichtlich schon in der Theorie von ihrer Idee überzeugt.

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Der erste Abend war sehr aufregend. Große Vorfreude. Am nächsten Tag durfte ich dem Freuden-Bericht lauschen. Soooo bequem. Soooo toll. Soooo supadupa. Sie hatte sich lediglich ein kleines (40x40cm) Kopfkissen hineingelegt und mit ihrer normalen Bettdecke (nennt die sich denn nun anders?) zugedeckt.

Nach der fünften Nacht lautete ihre Meinung zur neuen Schlafsituation: „Es ist soooo geil!“ Nach einer vollen Woche im neuen Nachtlager gab es eine Anmerkung: „Die Bettdecke fällt immer heraus, das nervt!“ Ich erwähnte Wäscheklammern, wurde aber sofort ausgebremst. Davon will sie momentan nichts wissen. Da aber sowieso der Sommer ins Haus steht, unsere Hütte ungefähr null isoliert ist und es deswegen im Sommer im Obergeschoss, wo wir alle schlafen, immer warm bis heiß ist, wird sich diese Problematik wohl erstmal erledigt haben. Auch die Tatsache Hintern und Rücken nicht auf einer dicken Matratze zu lagern, wird sich ganz bestimmt als sehr angenehm (weil Temperatur regulierend) erweisen.

Fakt ist momentan jedenfalls, dass das herkömmliche Bett als Nachtstätte ausgedient hat. Ich sage bewusst nicht vorerst, denn damit würde ich unterstellen, dass es nur vorübergehend ist. Wie lange die Hängematte erste Wahl bleibt, weiß derzeit aber niemand. Vielleicht für immer. Es bleibt also spannend.

***

In der zweiten Woche mit neuer Schlafstätte kam Schlafbesuch. die Freundin war so verzückt, dass sie unbedingt in der Hängematte schlafen wollte. Durfte sie. Auch sie konnte am nächsten Morgen nichts anderes sagen als meine Tochter: Es schläft sich hervorragend!

***

Mittlerweile sind es nun drei Wochen in der Hängematte. Die Begeisterung ist mindestens genauso groß wie zu Beginn. Da die Hängematte an einem Metallgestänge befestigt war, das auf dem Boden stand, und das nicht so besonders schön war, und auch zu vielen schmerzvollen Begegnungen zwischen den Füßen und dem Gestell kam, habe ich das Befestigungsset „Universal Rope Black“ von La Siesta bestellt. Ich hatte etwas Bammel, da unser Haus ein etwas besserer Pappkarton ist, aber…es hält! Bombig! Im Set sind richtig gute Dübel von Würth enthalten und ebenso gute Schrauben. Zwei Nächte wurden bereits in der neuen Aufhängung verbracht. Es schaukelt sich viel schöner als in dem niedrigen Gestell. Und es knirscht nicht mehr.

Wir haben dies als Anlass genutzt und gleich das ganze Zimmer umgeräumt. Die Kommoden sind gewandert und der Eingangsbereich jetzt ganz frei. Der Lego-Tisch und eine kleine Kommode mussten gänzlich weichen. Viel mehr Platz.

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Dieselbe Perspektive wie auf dem oberen Bild.

(Ich werde diesen Beitrag von Zeit zu Zeit aktualisieren.)


03.06.2017

Es ist jetzt genau einen Monat her, dass das Bett aus dem Kinderzimmer verbannt wurde. Wobei ich mich schon gefragt habe, ob jetzt die Hängematte ihr Bett ist oder ob ein Bett nur so ein Bettgestell (oder wenigstens ein Lattenrost) mit einer Matratze oben drauf ist? Oder sprechen wir nun von einer Schlafstätte? Aber das ändert ja nichts an den Tatsachen. Denn mein Mädchen schläft nach wie vor in der Hängematte. Und zwar sehr gut. Wie ein Stein. Ich habe sogar letztens gesehen, wie sie auf der Seite lag. Ja, das scheint zu gehen. Sehr zufrieden wirkte sie dabei, im Schlaf.  Das Bettgestell haben wir verschenkt. Wozu in der Garage vermodern lassen? Und es gefiel ihr ohnehin nicht mehr. (Nein, wir haben es nicht dicke. Aber wir bekamen das Bett selbst geschenkt. Da fand ich es nur fair, es nun auch weiterzuverschenken.)


 

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