Stilltreff – warum Gruppentreffen gar nicht überbewertet werden können

Dieser Artikel entspringt meiner digitalen Feder angeregt durch eine Begegnung, die ich gestern hatte… 

In meiner ersten Zeit als Mutter besuchte ich mit meiner Einlingstochter damals viele Treffen. Wir waren beim Pekip, bei der Babymassige, beim Stilltreff, hier und dort. Weit gestreut durch die ganze Stadt. Ich wollte andere Mütter kennenlernen und mal gucken, was die Mütterwelt so zu bieten hat. Hängen blieb ich damals beim Stilltreff, den eines der Kliniken anbot. Der Treff war offen, kostenlos und fand jede Woche statt. Die Mädels aus meinem Geburtsvorbereitungskurs hatten gesagt, dass das doch eine schöne Gelegenheit wäre, sich mal wieder zu treffen. Also gut…

Ich fand es ganz nett dort. Dass ich mit den Ladies aus meinem damaligen Kurs nicht allzu viel anfangen konnte, hatte ich schon vorher gewusst, aber das war für mich kein Grund, dort nicht vorstellig zu werden. Es würden ja auch andere Mütter dort sein. Und so war es auch. Wie alt mein Mädchen zu diesem Zeitpunkt war, weiß ich gar nicht mehr genau. Aber als sie ein halbes Jahr alt war, gesellte sich eine Mutter hinzu, die ich vom ersten Moment an echt witzig fand. Mein erster Eindruck täuschte mich nicht. Es kam, wie es kommen sollte… dann ging man mal zusammen zum Fahrstuhl, zusammen übers Gelände, stellt fest, dass man in dieselbe Richtung muß…und so weiter… Eine tolle Freundschaft wurde daraus. Und sie hält bis heute an. Leider nicht mehr so intensiv (wir verbrachten unendlich viel Zeit zusammen, damals als unsere Kinder noch U3 und wir nicht erwerbstätig waren), da ich dann die Stadt verließ, aber wir haben noch Kontakt. Dieser Stilltreff wurde ein von mir geliebter Termin. Ich ging gern dorthin. Auch wenn mein Mädchen immer älter wurde, während die anderen teilnehmenden Kinder stets wechselten und deren Alter somit konstant blieb. Die Stillberaterin (IBCLC), die Gastgeberin des Treffs war, arbeitete in dieser Klinik und war mit Leib und Seele dabei. Ach ja, schön war’s…


Als ich dann zum zweiten Mal Mutter wurde, war mein großes Mädchen schon 9 Jahre alt und mein Bedürfnis nach solchen Festivitäten lag bei ungefähr minus 20. Neue Freundinnen suchte ich nicht und auch war mein Bedarf an Mütterkontakten gedeckt. Ich blieb in meiner Seifenblase. An meiner Denke zum Thema Kinder begleiten, Bedürfnisorientierung und sowas alles hatte sich nichts geändert. Ich war und bin zufrieden. Wie ich dann doch an zwei neue Mütterfreundinnen geriet, habe ich schonmal an dieser Stelle [klick hier!] erzählt. Beide lernte ich kennen als sie jeweils ihr erstes Kind an der Hand hielten. In Gesprächen merke ich oft, wie unterschiedlich es ist, wenn man zum ersten Mal Mutter geworden ist oder wenn man bereits mehrfach Mutter ist. Die Kämpfe, die frisch gebackene Eltern ausfechten müssen. Mit sich selbst und ihrer Umwelt. All das, was ich selbst schon lange hinter mir gelassen habe, sehe ich dann bei anderen. Und dann wird mir wieder bewusst, wie wichtig es ist, dass man sich austauschen kann, mit Menschen, die auf der selben Welle sind, wie man selbst.

Eine meiner Freundinnen stillt ihr Kind, das just zwei Jahre alt geworden ist, nach wie vor. Sie macht es gern. Ihr und ihrem Kind tut es gut. Es erdet beide so sehr. Doch von außen kommen immer wieder Gängeleien. Als sich dann bei ihr ein Milchstau anbahnte, gab ich gern die Nummer einer von mir sehr geschätzten Hebamme heraus. Dass das Langzeitstillen sich mitunter schwierig gestaltet, wenn man wenig Unterstützung erfährt, und es daher gut tut, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben, führte im Schluss dazu, dass diese Hebamme ihr dazu riet, mal zu einem Stilltreff zu gehen, bei dem sie andere Eltern treffen könnte, die über die hierzulande relativ kurze Zeit von nur einem halben Jahr, stillten. So kam es dann, dass meine Freundin mich fragte, ob ich Lust hätte, sie zum „Milchcafé+ [klick hier!]“ zu begleiten. Na klar.


Gestern fand dann eines dieser Treffen statt. Zu Beginn waren wir, neben der Gastgeberin Kathleen und ihrer Tochter, vier Familien. Es trudelten nach und nach noch mehr ein, so dass wir letztlich mit zehn Erwachsenen und zehn Kindern im Raum saßen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurde kreuz und quer geplauscht, die Kinder schwirrten durch den Raum, später auch durch die Nebenräume, und alles war ganz entspannt. Als wir uns nach anderthalb bis zwei Stunden dann verabschiedeten und Kathleen an der Tür zu mir sagte, sie hoffe, dass es doch auch ein nettes Treffen für mich gewesen wäre, obwohl ich „nur mitgeschnackt“ worden war, knirschte es in meinem Getriebe. Autsch. Ich hatte in der Vorstellungsrunde gesagt, dass ich eigentlich nur da wäre, weil meine Freundin mich gefragt hatte, ob ich mitkommen würde. Ach du je… Ich hatte das ganz unbedarft geäußert und keine Sekunde darüber nachgedacht, wie man es auch anders verstehen könnte. Und offensichtlich hatte ich keine besondere Glückseligkeit versprüht als ich diesen Satz zu Beginn in die Runde warf. Sofort wollte ich das klarstellen, denn ich war ja nicht gezwungen worden oder so. Ich war aus freien Stücken dort erschienen und es hatte mir auch wirklich gefallen.

Dieser Moment schlummerte nun den ganzen restlichen gestrigen Tag und auch heute noch in mir. Ich hatte das dringende Bedürfnis noch eine Nachricht an Kathleen zu schreiben, damit sie weiß, dass ich es WIRKLICH gut fand beim Milchcafé. Und dann dachte ich, ich schreibe einfach etwas mehr als nur eine schnöde Mail, nämlich einen Eintrag an dieser Stelle. Denn auch wenn ich mich gestern ursprünglich nur als Begleitung auf den Weg gemacht hatte, war ich weder teilnahmslos noch unaufmerksam.

Nette Leute habe ich getroffen. Das ist das eine. Und das andere, ist mal wieder eine kleine Leuchte. Ich selbst war mitgegangen, weil ich meine Freundin unterstützen wollte. Dass es andere gibt, die lange stillen, wußte ich. Dass ich meine (ab morgen) 3jährigen Kinder noch stille, und dass viele Außenstehende das merkwürdig finden, wußte ich auch. Dass mich das nicht kratzt, war mir auch schon klar. Doch es dauerte vermutlich nur Minuten, nachdem ich den Stilltreff verlassen hatte, und mir wurde klar, wie gut es dort gewesen war. Ich brauche solche Gruppentreffen nicht, weil ich dringend neue Leute kennenlernen muss, oder um gezielt andere Mütter zu treffen, oder damit meine Kinder andere Kinder treffen. Nein.

Der Clou an der Sache war, dass ich anderthalb Stunden von Normalität umgeben war. Wann und wo sonst treffe ich andere, die neben mir sitzen und ihre krabbelnden, laufenden, sprechenden Kinder ganz selbstverständlich stillen!? Keine vielsagenden Blicke, keine abschätzigen Kommentare, kein Gar nichts. Null Beachtung der Normalität der langzeitgestillten Kinder. Wie großartig!! Ja, und das ist die Erleuchtung, die ich dank dieses Erlebnisses hatte.

Gruppen haben immer ihre spezielle Themen. Durch diese Titel finden sich die Teilnehmenden zusammen. Und das Wunderbare an diesen speziellen Treffen ist dann die Normalität innerhalb des Kreises. Dieses Wissen war bei mir total nach ganz hinten gerutscht. Als Alltagsbanalität abhanden gekommen. Selbst im Internet läuft es doch so. Wir schwirren durch die sozialen Netzwerke und gehören dort sämtlichen Gruppen an, die wir uns aussuchen. Sei es zum Thema Stillen, Halma oder Kanada. Wie oft lese ich online, dass jemand sooo erleichtert ist, einfach nur weil er/ sie hört, dass es anderen ebenso ergeht wie einem selbst… Darum möchte ich allen ans Herz legen: hast du ein Thema, das dich bewegt, das dir persönlich wichtig ist, bei dem du Rat/ Hilfe/ Unterstützung brauchst oder ein Thema, an dem du einfach Spaß hast? Mach dich auf, such dir eine Gruppe. Online-Gruppen helfen mindestens beim Durchatmen. Reale Gruppen zeigen dir Realität, die dich bestärkt. Ich persönlich bin wirklich begeistert und weiß schon heute, dass ich zum nächsten Milchcafé gehen werde. Einfach so.

Dankeschön, liebe Caro. Dankeschön, liebe Kathleen.

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Dankeschön!

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