Männer – Väter & Partner

Es ist mir ein Bedürfnis an dieser Stelle mal eine Lanze für die Väter dieser Welt zu brechen. Ein ums andere mal begegnen mir Mütter, die sich über die Kerle lustig machen -was hinter den Kulissen und im Spaß auch mal ganz witzig sein kann- und diese Sicht aber tatsächlich auch für bare Münze halten.

Da heißt es dann, dass Männer keinen Haushalt führen können. Sie können weder putzen noch aufräumen, weder Wäsche waschen noch den Müll rausbringen, nicht einkaufen oder gar kochen. Und dann geht es um die Kinder und die anmaßende Mutter bricht in schallendes Gelächter aus. Und ich sitze da und frage mich: wieso denn bloß!?

Natürlich können Männer all dies. Mindestens ebenso wie Frauen. Es leben doch nicht alle Jungs zu Hause bis sie von einer Prinzessin abgeholt und aus dem Hotel Mama ausgelöst werden, damit diese sie dann anschließend rundum versorgt. Natürlich gibt es solche Exemplare. Aber genauso gibt es Frauen, die nicht kochen (können/ wollen) oder all die anderen Dinge machen (können/ wollen), die sie klischeemäßig mit großer Ehrfurcht erledigen sollten.

Ich stamme aus einem Haushalt mit traditioneller Rollenverteilung. Meine Mutter absolvierte nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung zur Bürokauffrau und arbeitete auch in ihrem Beruf. Doch mit der Geburt ihres zweiten Kindes, Mitte der 1970er Jahre, war dieses Kapitel dann passé. Ich gesellte mich als drittes Kind noch hinzu und irgendwann machte mein Vater sich selbständig. Meine Mutter war Hausfrau, Mutter und arbeitete für meinen Vater, indem sie sein Büro führte. Mein Vater verdiente das Geld und war für alles, was draußen anfiel zuständig, meine Mutter war verantwortlich für den Rest. Das war eben so. Aber ich denke, die Aufteilung erfolgte eben auch daher so, weil sie es so wollten. Sie waren und sind zufrieden. Durch diese Aufteilung war für beide ein eigener (Macht-)Bereich entstanden. Ja, mein Vater war relativ hilflos, was Haushalt und kochen betraf. Kalte Küche funktionierte, aber darüber hinaus… Doch es gibt eine Geschichte, die ich sehr schön finde.

Meine Mutter erzählte mir irgendwann einmal, dass sie während ihrer ersten Schwangerschaft strikte Bettruhe einhalten mußte und auch zeitweise in der Klinik war. Kochen war daher nicht möglich. Und so fuhr mein Vater zum Schlachter und es gab tagelang einfach nur Würstchen mit Brot. Ja, kein Gourmet-Menü. Aber anstatt sich hilflos hinzustellen und zu jammern, fand er eine simple Lösung. Das ist nämlich möglich. Uns allen ist es möglich. Wenn man uns nur läßt. Nun könnten wir direkt bei unseren kleinen Kindern ansetzen und über Selbstwirksamkeit, Eigenverantwortung und co sprechen… aber heute geht es mir um uns Erwachsene. Unsere Generation gehört ja nunmal zu einer, die erzogen wurde. Wir alle haben irgendwelche Strategien entwickelt, um das, was mit uns anders hätte laufen sollen, irgendwie zu kompensieren. Doch verschwindet das innere Kind nicht, es versteckt sich lediglich. Und so prallen dann in schwierigen Situationen und Krisen diese inneren Kinder aufeinander. Eine der größten Krisen ist das Elternwerden. Nicht ohne Grund trennt sich gut ein Drittel aller Paare nach der Geburt ihres ersten Kindes.


An dieser Stelle erzähle ich einfach mal von uns. Ich war die ersten sechs Jahre mit meiner ersten Tochter alleinerziehend. Für mich war es eine schöne Zeit. Mir fehlte kein Mann. Ich empfand es als große Freiheit mein Leben so führen zu können, wie ich es wollte, ohne auf einen Mann Rücksicht nehmen zu müssen. Keine Diskussionen über meine bedürfnisorientierte Begleitung, Langzeitstillen, Familienbett usw. Natürlich gab es auch diese „Hach…“-Momente, aber alles in allem war ich zufrieden. Ich war stark und machte alles allein. Ich sorgte für unser Einkommen, kaufte ein, kochte, baute selbst ein Hochbett für das Töchterchen, bohrte allein Löcher in die Wand, malte die Wände an, … Für mich war all das total normal.

Dann traf ich auf meinen jetzigen Mann. „Lass dir doch mal helfen!“ tönte es immer wieder. Und meine Standard-Antwort lautete. „Nein, ich kann das allein!“ Toll. Natürlich konnte ich das allein, und das wusste er auch. und genau darum ging es ja auch überhaupt nicht. Es ging darum, Hilfe anzunehmen, ergo etwas abzugeben. Oje, da hatten wir den Salat. Ich sollte also die Tür zu der trauten Zweisamkeit zwischen meiner Tochter und mir öffnen und einen Dritten in die Runde lassen. Das war kein leichtes Unterfangen. Es dauerte eigentlich sogar echt lange. Ich tat mich schwer. Richtig schlecht ging es mir, als wir beschlossen hatten zusammenzuziehen. natürlich freute ich mich und wollte es gern. Aber dann müßte ich noch mehr von meinem Kuchen abgeben. Aaaaaargh.

Ein halbes Jahr nach unserem Zusammenziehen war ich schwanger. Wieder Schnappatmung. Doch richtig kritisch wurde es erst für mein Ego als ich wegen drohender Frühgeburt in der 26.SSW stationär in die Klinik musste. Ich war völlig fertig und weinte und war verzweifelt. Natürlich wegen der Babys in meinem Bauch, aber eben auch weil ich mein Mädchen, das zu diesem Zeitpunkt knapp 9 Jahre alt war, allein lassen musste. siewar nicht allein. Sie war in ihrem Zuhause. Mit meinem Mann, den sie gut kannte und sehr mochte. Sie war nicht allein. Aber es fühlte sich für mich so an. Und ich konnte nicht anders als zig überflüssige, natürlich gut gemeinte, Ratschläge und Anweisungen an meinen Mann zu geben… wie er den Haushalt machen sollte, wie er wann was mit dem Töchterehen organisieren sollte usw. Was er wirklich tat, weiß ich bis heute nicht. Aber es lief. Und alle waren wohlauf. Und es waren noch alle Zacken an meiner Krone. Konnte das sein?


In der Woche danach stand der 9. Geburtstag an. Und ich hatte Bettruhe. immerhin durfte ich zu Hause sein. Ich saß in meinem Bett im Wohnzimmer und war nur Zaungast. Mein Mann hatte alles allein vorbereitet. Einkauf, Kuchen backen, kochen, Schatzsuche und was eben so alles dazu gehört. Der Tag ging vorbei, meine Tochter war überglücklich und hatte einen schönen Tag mit ihren Freund_innen gehabt. Klarer Punkt für meinen Mann.

So ging es dann weiter. Ich war von ärztlicher Seite aus dem Verkehr gezogen worden. Und das war genau richtig so. Anders hätte ich es wohl nicht gelernt. Dass es von der Natur ganz bestimmt gewollt ist, dass wir während der Schwangerschaft anfangen zu watscheln, schwerfällig werden und langsam. Wir sollen einen Gang herunterschalten. Und Bitteschön auf unsere Körper hören. Ich war also seit der 26.SSW in der Lehre. Keinen Moment zu früh, denn ich weiß nicht, wie es mir sonst gegangen wäre, wenn ich knall auf Fall, ohne vorherige Eingewöhnung, das alles hätte wippen müssen, was dann kam.


Stationäre Aufnahme in die Klinik bei 33+3SSW, eilige Sectio zwei Tage später und plötzlich Mutter zweier Frühchen und in der Klinik für 23 lange Tage. Die Entlassung bei 37+0 und unser Umzug in ein neues Heim nur 29 Tage später. Ich konnte nichts. Anfangs nur atmen. Als die Lähmung nachließ war ich ausschließlich Mutter. Und mein Mann schmiss den Laden. Er ging arbeiten, stand morgens mit der großen Tochter auf, machte sie fertig für die Schule, brachte sie zu Freunden oder zu ihren Freizeitaktivitäten, tüddelte natürlich auch zu Hause mit ihr, ging einkaufen, kochte, machte den Haushalt, versorgte mich komplett. Ich tat im Grunde nichts als Stillen und kuscheln und tragen. Entweder lag ich im Bett oder ging spazieren. Aber ich war definitiv keine Hilfe für Alltägliches.

Ja, mein Mann kauft anders ein als ich, er kocht anders als ich, er wäscht anders, legt die Wäsche anders zusammen, räumt anders auf und schmiert die Frühstücksbrote anders. Aber er KANN es. Und zwar richtig gut. (Wenn eine Beurteilung dessen überhaupt erlaubt, und nicht an sich schon anmaßend ist.) Er mußte das auch nicht erst lernen, er brauchte nur die Chance von mir, es in unserem gemeinsamenLeben überhaupt machen zu dürfen, ohne dass ich ihn zur Seite schiebe. Meine „Ich kann alles, und zwar allein!“-Strategie war in dem Moment überholt, als ich nicht mehr allein war.

Ich bin froh, dass es so kam, wie es kam. Denn diese große Krise (gemeinsam Eltern werden) war eine große Chance für uns. Als die Zwillinge ein halbes Jahr alt waren, heirateten wir. Und ich habe seither keine Sekunde an meinem Ja gezweifelt.


Frauen können nicht einparken und Männer nicht zuhören? Manche Menschen können nicht einparken, und manche wollen nicht zuhören. Aber pauschal würde ich niemandem etwas anhängen wollen. Nur aus Prinzip.

Wir sollten öfter mal die Augen öffnen und bemerken, von welchen Schätzen wir umgeben sind. Ob es unsere Partner_innen, Kinder oder Freund_innen sind. Viel zu oft fehlt es uns an Aufmerksamkeit, um all das Gute zu erkennen. Und wir (könnten) es verpassen, wenn wir in unseren alten Mustern bleiben, auf unsere angestammten Plätze bestehen und keinen Platz für neue Konstellationen machen.

*** *** ***

Wenn euch ein Beitrag gefällt, freue ich mich, wenn ihr ihn direkt hier im Blog mit „gefällt mir“ markiert und/ oder auch gern via Button in anderen Netzwerken teilt. Alle Buttons findet ihr ein Stückchen weiter unten.

Dankeschön!

*** *** ***

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s