Einling vs. Mehrlinge

Vor Kurzem wurde ich mal wieder auf dieses Battle, das wie ein unausgesprochenes Geheimnis, um einen herumkrebst, aufmerksam gemacht. Dieser schräge Wettbewerb zwischen Einlings- und Mehrlingseltern. 

Eine ganz frisch gebackene Zwillingsmutter, die ihre Hormonwelle richtig gut reitet, und sich des Lebens freut, weil ihre Kinder einfach so dermaßen pflegeleicht sind. Viel einfacher als erwartet. Und um einiges einfacher als ihr Einling damals.

Ich möchte an dieser Stelle nur mal so die Frage in den Raum werfen, was Neugeborene in ihren ersten Tagen wohl hauptsächlich tun? Bitte nicht mißverstehen. Es ist weder Zickigkeit noch Missgunst, die sich hier einschleicht. Einfach nur ein bißchen Realität. Meine Zwillinge mußten zwar ihre ersten Wochen in der Klinik verbringen, aber bei rechnerisch 37+0 kamen sie nach Hause und was taten sie? Ja, schlafen, stillen, schlafen, stillen, schlafen, schlafen… Zwei Kinder zu stillen ist gewiss eine Übungssache. Zwei Kinder zu wickeln einfach nur doppelte Handarbeit. Also alles in allem erstmal recht übersichtlich und unaufregend. Ich finde es großartig, wenn jemand so begeistert von seinem Nachwuchs spricht. Bloß hege ich gleichzeitig die Angst, dass die Ruhe vor dem Sturm eine falsche Sicherheit vortäuscht und danach ein tiefer Fall droht. In meiner Zeit als Zwillingsmutter habe ich mich wirklich nie beschwert. Es war mir nie zufiel. Ich hatte keine Angst. Viele der Nöte, die ich von anderen hörte, waren mir in der Praxis nicht bekannt. Ich finde den Vergleich zwischen Einlingen und Mehrlingen wirklich schwierig. Beides habe ich kennengelernt. Tandemstillen fand ich nie schwierig, Tandemtragen ebenso wenig. Das Schlafen mit zwei Kindern auf, an oder neben mir war nie ein Problem. Manchmal nervig, aber nie problematisch.

So komme ich auf das andere Extrem der Mehrlingseltern zu sprechen. Diejenigen, die aus irgendeinem Grund kein Verständnis aufbringen können für die Einlingseltern. Und zwar diejenigen, die sich Luft darüber machen, dass sie kaputt sind, dass ihr eines Kind ihnen Energie raubt, und sie selbst zeitweise auf dem Zahnfleisch kriechen. Da hört man dann sowas wie „Pffff, und die hat nur EIN Kind! Was soll ICH denn sagen!?“ Ja, was soll man denn da sagen?

Zwillinge sind etwas Besonderes. Das ist kein abgelutschter Spruch oder überhebliches Rumgepose. Es ist einfach so. Grundsätzlich ist natürlich jeder Mensch etwas Besonderes. Was ich meine, ist jedoch, dass Zwillinge besondere Situationen bewirken und uns besondere Handlungsstrategien abverlangen. Je nachdem wie man seinen Auftrag als Eltern auffasst, fallen die Strategien unterschiedlich aus. Ich bin kein Fan von alter Schule. Erziehung lehne ich ab. (Mehr dazu an andere Stelle.) Die besondere Herausforderung bei zwei oder mehr Kindern im selben Alter besteht für mich darin, ihre Bedürfnisse zu erkennen, zu befriedigen und sie so zu begleiten, dass eine stabile, gute Beziehung zwischen uns entsteht. Wie erbost sind die meisten von uns Mehrlingseltern, wenn jemand zu ihnen sagt „…also, meine Kinder sind nur 1 Jahr auseinander. Das ist ja genau wie mit Zwillingen.“ Falsch. Zwillinge sind Zwillinge. Auch wenn Geschwister nur ein Jahr auseinander sind, so ist es eben doch ein ganzes Jahr. Ein Jahr, in dem sie sich in ihrer Entwicklung unterscheiden. Ich finde es schwierig, zwei Kinder, die gerade in einem animalischen Zustand (z.B. Wutanfall) gefangen sind, gleichzeitig zu begleiten. Gleich alte Kinder sind meist auf gleichem Entwicklungsstand. Ich möchte mir nicht anmaßen, darüber zu urteilen oder zu werten, wie ungleich schwieriger oder einfacher es wohl sein mag, wenn man mehrere Kinder verschiedenen Alters hat. Denn jedes Kind ist besonders und eigen, mit eigenen Bedürfnissen, und auch gleiche Geschwister-/ Alters-Konstellationen können in unterschiedlichen Familien unterschiedlich wirken.

Es liegt an uns, was wir dafür tun (können), dass unsere Kinder aufblühen und sich entfalten. Ob Einling oder Zwilling. Die Unterschiede, die mir auffallen, liegen nicht in der Anzahl der Kinder, sondern im Umgang mit ihnen. Da bin ich schon wieder bei der Bedürfnisbefriedigung… Für mich sind die Zusammenhänge genauso einfach, wie sie auch schwierig sind. Wir Menschen sind vom Grundmuster einfach gestrickt, doch sich durch all das gekünstelte, erzieherische, gesellschaftliche Wirrwarr zu den ursprünglichen Wurzeln durchzukämpfen, ist mitunter kompliziert. Je mehr man bei sich selbst ist oder ankommt, desto näher kann man seinen Kindern sein. Durch Nähe entsteht Sicherheit. Und wer sich sicher fühlt, kann zur Ruhe kommen. Natürlich ist das nicht das All-Eine und die Weisheit der Weisheiten. Meiner Erfahrung nach jedoch genau die richtige Richtung. Ob high-need, mit Erkrankung, mit Besonderheiten, Entwicklungsschüben oder sonstigem. Wenn wir unsere Kinder ansehen und sehen, sie an der Stelle abholen oder auffangen, an der sie gerade sind, und sie begleiten anstatt zu leiten, ist Vieles gewonnen.

Ich wünsche mir, dass das Pauschalisieren aufhört, ebenso das Besserwissen bzw. Besserahnen, den selten wissen Leute tatsächlich aus eigener Erfahrung, worüber sie gerade sprechen, ganz besonders beim Thema Kinder. Sowohl das Herunterspielen als auch das Übertreiben in Bezug aufs Zwillingselternsein ist beizeiten nervig. Es wäre zu schön, wenn die Rivalität, die da draußen umhergeistert, sich zurückziehen würde. Wenn aus einer Ecke mal wieder ein Schlachtruf ertönt, sollten wir vielleicht nicht in Konterposition gehen, sondern mal fragen, was wohl hinter dem steckt, was da als Banner empor gehoben wird. Vielleicht können wir, statt die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen, einfach die Hände reichen. Denn wie wir es drehen oder wenden, ob Einling, Mehrlinge, eins, drei oder sieben Kinder: wir alle sind Eltern.

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