Advent, Advent…

Alle Jahre wieder…stellen sich Eltern die Frage, wie sie das familiäre Weihnachtsfest gestalten könnten. Auf der Suche nach einer Antwort wird natürlich auch gern das Netz durchforstet. Man sucht Ideen, Inspirationen, das i-Tüpfelchen. Ganz gleich, ob es um den Ablauf oder das Geschenk geht. So trage ich meinen Teil bei und erzähle mal von unserer selbst erdachten Weihnachtszeremonie… 

Ich bin ziemlich traditionell mit Weihnachten aufgewachsen. Heiligabend in die Kirche, nach Hause kommen, Essen, Bescherung, Spielen bis zum Abwinken, Bett. Heiligabend war stets auf die Kernfamilie beschränkt. Am ersten Feiertag kamen dann die Großeltern dazu und am zweiten Weihnachtstag wurden befreundete Familien besucht. Fertig.

Als ich Mutter wurde, war ich fern ab von alldem. In den Jahren zwischen „noch bei den Eltern wohnen“ und Mutterschaft fand in meinen eigenen vier Wänden niemals etwas weihnachtsähnliches statt. Als kinderlose Single fuhr ich natürlich Weihnachten zu den Eltern. So wie es die meisten in dieser „weder Fisch noch Fleisch“-Phase tun. Mit meiner ersten Tochter wendete sich dann alles. Doch da wir eine Zwei-Personen-Familie waren, fiel es mir doch etwas schwer, eine gute Idee auf den Tisch zu bringen. Glücklicherweise hatte ich im Herbst vorher eine ebenfalls Alleinerziehende Mutter mit einem Mädchen im selben Alter wie meine Tochter kennengelernt. Wir mochten uns, wohnten sogar im selben Stadtteil und beschlossen dann einfach, den Heiligen Abend gemeinsam zu begehen. Nach dem Krippenspiel kamen die beiden dann einfach zu uns nach Hause. Wir saßen zusammen, aßen Pommes und Salat, tüddelten mit den Kindern und schwupp di wupp war es Spätabends. Einen Baum hatte ich natürlich auch gekauft. Kein Weihnachten ohne Nordmanntanne, wenigstens das stand vorher fest. Fazit: herrlich unkompliziert und angenehm.

Im Jahr darauf fuhr ich spontan mit Kind zu meinen Eltern, da meine Mutter am Rad drehte und mich meine tochterlichen Pflichten dazu drängten. An Heiligabend zogen Mutter und Kind los zum Spaziergang und auf den Spielplatz, machten mittags Bescherung und fuhren dann am Nachmittag mit dem Zug zu den Großeltern.

Ein Jahr später stand ein kleiner süßer Nordmannbaum in meinem Zimmer. Heiligabend waren wir zu Hause und über die Feiertage bei meinen Eltern.

Das vierte Weihnachtsfest mit meinem Mädchen verbrachten wir zwei komplett bei meinen Eltern. Doch am ersten Feiertag drang die Jugendlichkeit wieder in mir durch und ich fuhr mit einer Freundin in die große Stadt zu einer Festivität.

Das Jahr drauf lasse ich lieber unerwähnt.

Weihnachten Nr.6 war etwas unkonventioneller. Wir besorgten uns statt der Tanne eine Palme. Ja, wirklich. Das schöne Gewächs wurde mit bunten Lichterketten behangen und geschmückt. Wir gingen wie immer zum Krippenspiel, dann gab es die Bescherung und nebenbei wurde Fingerfood gemumpft. Ich erinnere mich, dass wir gemeinsam bis um halb zwei wach waren.

Das folgende Fest begangen wir in männlicher Gesellschaft. Mein jetziger Mann durfte zu uns kommen. Heiligabend feierten wir zu zweit, aber am Späten Abend kam er zu uns, und so konnten wir gemeinsam zu dritt am nächsten Morgen die nagelnagelneue Tradition erproben. Mir war es nämlich wirklich langweilig mit diesem immer wiederkehrenden Krimskrams. Außerdem stellte sich mir die Frage, wie lange ich diese Märchen mit dem Weihnachtsmann noch am Leben würde erhalten können. Alles nicht so leicht. Kleine Kinder kann man im Schein der Kerzen noch ganz gut täuschen. Geschenke heimlich unterm Baum drapieren. Doch mit zunehmendem Alter wachsen auch die Geheimagentenfähigkeiten. Daher hatte ich nach einer Alternative gesucht…und fand sie:

Die Änderung, die ich einführte, war zum einen, dass die Bescherung am Heiligabend eine ganz offizielle Wir beschenken uns gegenseitig-Bescherung sein sollte. Keine Geheimniskrämerei mehr. Alle können allen etwas schenken, so sie denn wollen. Ich dachte dabei auch, dass es den Verwandten vielleicht auch eine Freude bereiten würde, wenn ihre Geschenke nicht mehr anonym vom Weihnachtsmann kämen, sondern wir offiziell sagen könnten „Oh, sieh mal, das ist von Oma Hilde, wie schön!“ und ihr dann auch direkt unseren Dank aussprechen könnten. Nicht falsch verstehen. Ich selbst finde, Schenken sollte um des Schenkens willen praktiziert werden, nicht um Anerkennung oder sonstiges zu ernten. Außerdem können wir in diesem Rahmen alle Geschenke ganz entspannt im Laufe des Tages unter den Baum packen. Die Spannung ist dennoch gegeben, denn ausgepackt wird ja trotzdem erst später. Nach der Kirche nämlich. Dort gehen wir noch immer hin.

Die zweite Änderung, die ich später anstieß, war, dass sich niemand mehr durch Essen zur Bescherung quälen muß. Wir kommen nach Hause, und wer will, packt seine Geschenke aus. Und wenn das Essen fertig ist, wird gegessen. So muß niemand sein Essen herunter schlingen oder Appetitlosigkeit vortäuschen.

Als ich klein war, mußten wir Kinder übrigens jedes Mal entweder ein Gedicht aufsagen oder ein Lied singen oder etwas auf einem der von uns beherrschten Instrumente zum Besten geben. Ich erinnere mich noch, wie öde ich es fand als meine Schwester ALLE Strophen von „Oh Tannenbaum“ vortrug – auf der Blockflöte. Puh. Ich mag das nicht. Schon gar nicht dieses Erpresserische daran. Ohne Vortrag, keine Bescherung. Meine Älteste habe ich an den Heiligabenden gefragt, ob sie etwas vortragen möchte. Wenn nicht, dann nicht. Niemals werde ich eines meiner Kinder dazu zwingen. Denn Geschenke sind nicht an Bedingungen gekoppelt. Das eine widerspricht in meinen Augen dem anderen.

Irgendwann vor, während, nach Bescherung und Essen glotzen wir unseren Weihnachtsfilm Tomte Tummetott und der Fuchs. Ein großartiger Stopptrickfilm.

Mein persönlicher Favorit in der Änderungsliste ist der dritte Punkt. In der Nacht zum ersten Weihnachtstag kommt dann nämlich der Weihnachtsmann oder der Wichtel oder Schneewittchen oder irgendjemand…und bringt die Geschenke. Die liegen dann am nächsten Morgen unterm Baum. (Ja, in andere Ländern ist es ganz normal, dass erst an diesem Tag Bescherung ist. Hierzulande aber eben nicht.) Durch diese Aktion bleibt es ein bißchen aufregend. Außerdem kann man, egal ob man allein mit Kind/ern lebt oder nicht, ohne großen Stress, in aller Ruhe, wenn die Kinder nämlich schlafen, die Geschenke platzieren. Und die Bescherung am nächsten Morgen, in Schlafanzug und mit Kaffee in der Hand ist einfach herrlich. Viel besser als die spielenden Kinder am Abend zu beobachten, die vom Tag sowieso vollends zerstört sind. Morgens sind sie voller Elan und haben den ganzen, lieben langen Tag noch vor sich.

Meine Große ist mittlerweile 11 Jahre alt. Ich erinnere mich noch gut daran, wie es war, als sie als Erstklässlerin eines Tages nach Hause kam: „Mama, die großen Kinder haben gesagt, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt!?!“ Erklärungsnot? Nein. Ich wollte nicht lügen. Ich wollte ihr aber auch den Zauber nicht nehmen. So entschied ich mich, aus diesem Religionsfest mit all seinen Geschichten und Traditionen, eine Glaubenssache zu machen. Sie wollte wissen, ob ich daran glaube. Ja, das tue ich. Und gibt es den Weihnachtsmann denn nun? Tja, das weiß ich nicht. Aber ich glaube daran. Glaubst du an Gott? Ja, das tue ich. Siehst du. Du glaubst an deinen Gott. Andere glauben an andere Götter. Und, hast du Gott schonmal gesehen? Nein. Und trotzdem glaubst du an ihn. Ich hab den Weihnachtsmann auch noch nie gesehen. Auch den Osterhasen nicht. Aber ich glaube, dass es sie gibt. Und genauso kannst du für dich entscheiden, ob du daran glauben möchtest. Und wer es nicht tun will, tut es eben nicht. 

Ich fand diesen Weg genau richtig, denn so nahm ich die richtig oder falsch-Denke heraus. Denn es geht dann nicht länger darum, ob eine Tatsache bewiesen ist oder nicht. Und niemand steht mehr als Trottel da, wenn sie/ er sagt: „Ich glaube an den Weihnachtsmann.“ Glaube ist das, was man möchte, dass es das ist. Und niemand kann einen anderen dafür auslachen.

Mein Mädchen konnte ihren Glauben noch bis zu Weihnachten im letzten Jahr aufrecht erhalten. Doch dann kam die enttarnende Frage, nämlich, wer denn die Geschenke nun hingelegt hat. Erwähnte ich bereits, dass ich es nicht ausstehen kann, wenn man lügt? Nun denn, so mußte ich gestehen, dass alles eigenhändig von mir und meinem Mann hingelegt wurde… Aber das schließt nicht aus, dass es nicht doch irgendwelche Wesen gibt, die wir einfach nicht sehen…

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Enie und Erna tragen ihre Kinder Tandem

Seit diesem Jahr wohnt nämlich auch ein Wichtel bei uns. Zumindest war plötzlich, über Nacht, eine kleine süße Tür an der Wand zum Schornstein. Unsere Zwillinge sind mittlerweile 2,5 Jahre alt. Einen Adventskalender wollten wir hier noch nicht einführen. Außerdem wollen wir sowieso die Konsumschraube fester drehen bzw. bei den Lütten gar nicht erst unnötiges Zeux schenken, nur um irgendwas zu schenken. Damit veräppeln wir sie und uns und überhaupt ist es Quatsch. Ganz Spielzeugfrei ist irgendwie nicht realistisch. Aber ich bin ein Fan von Spielzeugreduziert. Nur weil es weihnachtet muß ich von dieser Idee ja nicht abweichen. Ich finde es viel schöner, wenn wir wenig, aber dafür mit Bedacht schenken. So gibt es für die beiden einfach Lego Duplo. Damit spielen sie unglaublich gern. (Die Geschenke für die große Dame verrate ich an dieser Stelle nicht.)

Wie ist es eigentlich um den Wunschzettel bestellt? Hier wurde jedes Jahr einer angefertigt. Gemalt, geschrieben, geklebt. Ich weiß gar nicht mehr, wie wir es in den ersten Jahren handhabten. Aber irgendwann ging ich dazu über, den Wunschzettel von den Wichteln abholen zu lassen. An einem Adventssonntag, des nächtens, von der Fensterbank. Daneben ein Glas Milch und Kekse angerichtet. Joa. Das hatte ich von Freunden übernommen und fand es erstmal nett. Mittlerweile finde ich es gar nicht mehr gut. Glücklicherweise habe ich einen kleinen Zeitpuffer, der es mir gestattet, eine neue Herangehensweise zu finden. Denn die große Tochter ist aus der Nummer raus und die kleinen Mädchen noch nicht drin. Doch im Zuge von weniger ist mehr wird vielleicht auch der Wunschzettel evtl. mal abgeschafft. Und falls er bleibt, kommt uns die Wichteltür vielleicht zu Gute.

Dekoriert haben wir auch nur spärlich. Das ist einfach nicht mein Ding. Aber morgen fahren wir los um einen Baum zu kaufen. Auch hier fahren wir ganz traditionell zu einem großen Baumzuchtgelöt. Dort schlendern wir meistens ein bis zwei Stunden übers Gelände und fahren dann mit einem Charakterbaum im Gepäck zufrieden nach Hause. Charakterbaum? Das sind die der untersten Preisklasse. Die einen nennen es Schönheitsfehler, wir nennen es Charaktermerkmale. Einmal hatten wir z.B. einen Baum, der fünf Spitzen hatte, oder einen, dessen Stamm sich ab zwei Drittel der Höhe in zwei Stämme aufteilte. Witzigerweise war es in dem Jahr, in dem ich gerade mit den Zwillingen schwanger war. Für uns genau passend. Andere hätten den Baum mit dem Hintern nicht angesehen. Mal sehen, was sich morgen für uns auftut…

Ich wünsche einen  frohen 4. Advent !!

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